Kolumbien – San Gil

Wer Lust auf ein bisschen Extrem-Sport hat, sollte unbedingt nach San Gil reisen. Die kleine Stadt ist die kolumbianische Metropole für Paragliding, Bungee-Jumping, Rafting, Klettern und noch viel mehr.

Nach unserer kleinen Mountainbike-Tour in Minca, hatten wir ein bisschen Lust auf mehr. Nach einer ziemlich anstrengenden Fahrt im Nachtbus von Santa Marta, kamen wir sehr früh in San Gil an. Wir hatten noch kein Zimmer reserviert und fuhren deshalb mit dem Taxi zum nächstbesten Hostel in der Nähe des Stadtzentrums. Aber manchmal hat man ja bekanntlich mehr Glück als Verstand und es erwies sich als eine ziemlich gute Adresse. Wir hatten dort auf jeden Fall unsere Ruhe, denn wir waren die einzigen Gäste. Aber wir konnten das irgendwie ein bisschen gebrauchen.


Der zentrale Platz in San Gil samt hübscher Kirche.


Nach einem gemütlichen Nachmittag, machten wir uns auf den Weg zu Paravolar Colombia, einer Extremsport-Agentur. Eine Sache, die wir auf jeden Fall machen wollten, war das Paragliding über den 2 km tiefen, wunderschönen Chicamocha Canyon. Wir reservierten uns zwei Plätze für den nächsten Morgen und organisierten uns auch noch gleich eine kleine Rafting-Tour für den Tag danach. Das Paragliding kostet hier gerade Mal 40 Euro, günstiger geht es wohl kaum. Die Agentur und Piloten sind zudem sehr erfahren. Sowas kann man sich wohl kaum entgehen lassen.

Um den restlichen Tag nicht zu verschwenden, machten wir uns auf in eine Billardhalle. Seit Nicaragua, war das ja bekanntlich unsere liebste Abendbeschäftigung. Wir konnten dann auch gleich feststellen, dass auch die Kolumbianer diesem Sport verfallen sind und man praktisch an jeder Ecke ein Billardlokal finden kann. Aber irgendwie war das schon seltsam. Wir waren die einzigen Touristen und vor allem war Vanessa die einzige Frau. Wir wurden auf jeden Fall ziemlich kritisch beäugt. Ob es nun an unserem miserablen Spiel oder unserer Nationalität lag, wer weiß das schon. Wir hatten unseren Spaß.

Am nächsten Morgen machten wir uns ziemlich früh auf in Richtung Canyon. Wir hatten leider ein bisschen Pech, es war nämlich gerade ein Radrennen in San Gil und deshalb wurde die Straße abgesperrt. Wir mussten also 1,5 Stunden früher aufbrechen, um noch vor der Sperrung den Canyon zu erreichen. Das hieß dann im Endeffekt nur eins… Warten, warten, warten bis sich die richtige Thermik im Canyon gebildet hatte. Und zwar ungefähr 3 Stunden. Die Sonne lies sich leider nur spärlich blicken und deshalb dauerte es noch länger. Aber wenigstens hatten wir eine atemberaubende Aussicht.


Vanessa gleitet über den Chicamocha Canyon. 


Irgendwann hat dann auch jede Warterei mal ein Ende. Wir bekamen eine kurze Start- und Landeinstruktion und dann ging es auch sofort los. Wir waren eine Gruppe von 12 Leuten und drei Piloten. Die ersten Drei starteten und flogen dann für ungefähr 15 Minuten über den Canyon. Die Thermik war recht gut, die Piloten konnten auf eine gute Höhe steigen und so auch wieder am Startplatz landen. Bei den Nächsten, sah es dann ganz anders aus. Zwei von ihnen kreisten für ungefähr 45 Minuten um einen Hügel herum, weil die Piloten nicht mehr steigen konnten. Einer erwischte dann irgendwann doch noch ein heißes Lüftchen und konnte wieder zurück. Dieser nahm dann endlich Vanessa mit. Der Start ging schnell, eigentlich merkt man es kaum und zack, ist man in der Luft. Das Gefühl zu fliegen war einfach nur schön, man fühlt sich unglaublich frei. Die Aussicht ist der Wahnsinn, alles sieht irgendwie aus wie Spielzeug. Das Beste jedoch ist die absolute Ruhe. Man sitzt in einem gemütlichen Sack und hört nichts außer das Rauschen des Windes.


Der Chicamocha Canyon und Vanessa aus weiter Ferne.


Nach zehn Minuten fing es dann leicht an zu regnen. Aus diesem Grund musste der Pilot im Canyon landen. Das war eine ziemlich coole Aktion, weil der Gleitschirm nun recht schnell an Höhe verlieren musste und der Pilot deshalb enge Schrauben drehte. Da ist jede Achterbahn ein echtes Kinderspiel gegen.

Wegen des Regens musste die Aktion dann aber leider für diesen Tag abgebrochen werden. Sebi entschied sich dafür, es am nächsten Tag zu versuchen und da hatte er dann auch etwas mehr Glück. Er war als erste Person an der Reihe und bekam den besten Piloten. Die Thermik war recht gut, so dass der Schirm sogar in eine Wolke steigen konnte und der Pilot dann kleine Kunststücke machte. Ein wahnsinns Gefühl, absolut zu empfehlen.


Auch Sebi durfte irgendwann gemütlich über den Canyon gleiten 🙂


Nach Sebis Flug, machten wir uns gleich auf zum Raften. Wir hatten den Anfängerkurs gebucht, denn das war unser erstes Mal und mit Sicherheit nicht unser Letztes. Es machte echt viel Spaß durch die Stromschnellen zu fahren und wenn das Wasser mal ein wenig ruhiger war, dann konnten wir rein springen, uns gleiten lassen oder das Boot umwerfen. Der „Kapitän“ und unsere Mitfahrer waren allesamt super lustige Typen. Eine perfekte Mischung.


Unsere kleine Rafting-Tour in San Gil. 


Aber noch nicht genug des Ganzen… Nachdem wir aus unseren nassen Klamotten raus waren, entschied sich Vanessa dazu, am nächsten Tag noch Bungee springen zu gehen. Angetrieben von einer Mischung aus Neugierde, einer Ich-muss-das-jetzt-unbedingt-machen-Mentalität und einem offensichtlich ziemlich ausgeprägtem Todeswunsch, stürzte sie sich doch tatsächlich ganze 70 Meter hinunter. Auf der Plattform angekommen, war die Angst zwar schon ziemlich groß, doch ein kleiner Schubser des Instrukteur, machte diese hinfällig. Es war aufregend, ziemlich beängstigend und der größte Adrenalinkick aller Zeiten.


Vanessa ist scheinbar völlig verrückt geworden. 


 

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