Indien – Varanasi

Varanasi war vermutlich eine unserer härtesten Erfahrungen in Indien. Aber wenn man schon mal dort ist, dann überlegt man sich es eigentlich kein zweites Mal, ob man diese Stadt besucht. Für viele Menschen ist Varansi der Inbegriff von Indien. Hindurituale wie der Ganga Aarti und Feuerbestattungen sind hier an der Tagesordnung. Hier trifft man auf Sadhus und kann Bhang Lassi trinken. Hunderte von Kühe streunen durch die Straßen und Mother Ganga hat schon eine beachtlich hohe Belastung an Schadstoffen erreicht.

Wir kamen am Abend mit dem Zug in Varanasi an. Die Tuk Tuk Fahrt zu unserem Gasthaus dauerte eine gefühlte Ewigkeit und führte uns zum ersten Mal durch die engen Gassen der heiligen Stadt. An unserem Ziel wurden wir sehr herzlich empfangen und bekamen erstmal den Blick von der Dachterasse über Varanasi gezeigt. Wir waren nicht weit vom Ganges und dem Assi Ghat entfernt. Wir machten uns deshalb nach einer kurzen Rast sofort auf den Weg um einen ersten Blick auf den Ganges zu werfen. Viel schafften wir aber nicht, da wir irgendwie ziemlich müde waren.


Der Blick vom Assi Ghat auf Varanasi.


Am nächsten Morgen verquatschten wir uns ziemlich heftig mit einem Amerikaner beim Frühstück. Danach liefen wir den ganzen Tag die Ghats (Badestellen) auf und ab. Wir sahen aggressive Affen, badende Wasserbüffel, Fischer, Sadhus und sehr viele badende Menschen. Die Ghats waren ziemlich dreckig und nicht gerade ein Ort zum wohlfühlen. Das Wasser hatte eine unangenehm graue Farbe, doch von Müllbergen fehlte jede Spur, die Ufer waren sogar überraschend sauber für Indien. Den Fisch würden wir trotzdem ganz bestimmt nicht essen.


Die Ghats bei Tag.


Irgendwann trafen wir zwangsläufig auf unseren ersten „Burning Ghat“. Eigentlich waren wir innerlich noch nicht so richtig darauf vorbereitet, Zeuge unserer ersten offenen Feuerbestattung zu werden, doch ein junger Inder winkte uns zu einem ruhigen Plätzchen und erzählte uns, dass wir ruhig hier Platz nehmen könnten um die Zeremonie zu beobachten. Irgendwie war es sehr friedlich und löste mehr eine Art von Faszination aus, als irgendeine andere Reaktion. Vanessa hatte noch nie zuvor einen toten Menschen gesehen und jetzt starrten wir auf mehrere Scheiterhaufen. Der junge Inder erklärte uns die verschiedenen Farben der Totengewänder, welche Menschen überhaupt auf diese Art bestattet werden dürfen und einige weitere Details über die Zeremonie. Eine unglaublich interessante Erfahrung und den Geruch werden wir wohl nie wieder vergessen.


Eines der Burning Ghats.


Am Abend besuchten wir das berühmte Ganga Aarti von Varanasi. Im Grunde genommen, war die Zeremonie dieselbe wie in Rishikesh. Es waren nur viel mehr Menschen anwesend, alles war irgendwie viel bunter und größer. Das Ritual war zwar sehr schön und eine tolle Erfahrung, doch es gab auch hier mal wieder jede Menge Touts, die Touristen das Geld aus der Tasche ziehen wollten. Irgendwie ist es uns ziemlich zuwider, dass Menschen religiöse Rituale nutzen, um andere Menschen übers Ohr zu hauen. Vor allem in einem Land, in dem das Wort „Karma“ angeblich sehr groß geschrieben wird.


Das Ganga Aarti am Abend.


Im Anschluss besuchten wir noch das große Burning Ghat. Hier war die Stimmung weitaus emotionaler. Es waren sehr viele Familien dort. Im Tempel wurde laut gebetet und durchgängig die Glocke geschlagen. Dies erzeugte eine sehr starke Atmosphäre. Aber auch hier wieder, Touts über Touts. Selbst aus einem solchen Ritual, möchten die Menschen Profit erschlagen. Wir hörten sogar, dass es an diesem Ghat eine Art Mafia gibt, nur um Touristen zu betrügen. Aufpassen! Der Tag endete für uns also mit ziemlich gemischten Gefühlen und auch ein bisschen Wut.


Wir beim Ganga Aarti.


Für den Morgen danach, hatten wir eine Bootstour über den Ganges gebucht. Wir wurden in aller Frühe in unserem Hostel abgeholt und besuchten erstmal das Morgenritual. Im Grunde genommen nichts anderes, als der Ganga Aarti am Abend. Es war nur kaum ein Mensch anwesend, was die Sache für uns ziemlich angenehm gestaltete. Wir konnten nun das Ritual in aller Ruhe und aus nächster Nähe beobachten. Die Sonne ging dabei langsam auf, was einen absolut herlichen Blick über den Ganges erzeugte.


Das morgendliche Ganga Aarti zum Sonnenaufgang.


Wir gingen dann zu unserem Boot. Ein kleiner Holzkahn samt Ruderer nur für uns. Wir fuhren 2 Stunden lang die Ghats ab. Der Guide erklärte uns ziemlich viele interessante Details und zeigte uns nochmal die Burning Ghats vom Ufer aus. Wir sahen auch eine Familie, die gerade ihr Baby bestattete. Kleine Kinder dürfen jedoch nicht verbrannt werden. Sie werden einfach im Fluss versenkt. Ziemlich heftig.


Vom Fluss aus bietet sich noch mal eine ganz andere Perpektive.


Bevor wir uns in Richtung Agra aufmachten, besuchten wir noch den Markt in Varanasi. Viele kleine, bunte Gassen, in denen allerlei Sachen verkauft werden. Zum Shoppen absolut perfekt. Wir ließen uns noch einen leckeren Lassi schmecken und brachen dann zum Bahnhof auf. Dort war die Überraschung dann perfekt… Unser Zug hatte 13 Stunden Verspätung. Echt richtiger Mist, da wir in Agra am gleichen Tag einen Anschlusszug gebucht hatten. Alle Bemühungen irgendeine Hilfe von den Mitarbeitern der indischen Eisenbahn zu bekommen, liefen ins Leere. Der Zug fährt ja dann in 13 Stunden, können ja ruhig warten. Was für eine unangebrachte Scheiß-Egal-Haltung. Wir waren wirklich sauer. Wir setzten uns dann einfach mit unserem Laptop mitten vor den Bahnhof und suchten nach einem Bus. Zum Glück wurden wir schnell fündig und konnten 2 Stunden in einen Sleeper einsteigen. Diese Info hätten uns die werten Herren von der Eisenbahn jedoch auch geben können, oder nicht?


Ein Mal noch etwas wünschen.


Varanasi ist mit Sicherheit nicht unser Lieblingsort in Indien. Jedoch ist er wichtig, um die indische Kultur besser zu verstehen. Zurück kommen, werden wir jedoch mit Sicherheit nicht. Einmal im Leben reicht.

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