Indien – Kochi

Da wir so oft gehört hatten, dass Südindien eine komplett andere Welt ist, wollten wir Indien nochmal eine zweite Chance geben. Wir flogen deshalb von Ahmedabad nach Kochi. Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt, zeigte sich ein vollkommen anderes Bild. Weniger Müll, weniger Menschen, viel mehr Grün und keine freilaufenden Kühe. Das war schon fast ein kleiner Kulturshock für uns. Da Kochi hauptsächlich christlich geprägt ist, gibt es außerdem eine unglaublich hohe Dichte an Kirchen. Wirklich ungewohnt.

Wir wohnten die nächsten Tage in einem kleinen, süßen Homestay und liehen uns einen Motorroller aus. Wir konnten so mobil sein und die Gegend auf eigene Faust erkunden.

Kochi liegt am Meer und ist umgeben von den berühmten Backwaters. Ein großes Wasserstraßennetz von 1900 km². Deshalb wird hier vor allem der Fischfang sehr groß geschrieben und man kann wunderbar Meeresfrüchte essen gehen.

An unserem ersten Tag machten wir eine kleine Erkundungstour. Wir liefen die Strandpromenade ab und besuchten die berühmten chinesischen Fischernetze. Am Abend landeten wir in einer kleinen Bude und aßen überaschend wunderbares Byriani. Wir sollten dann noch öfter in dieser kleinen Bude landen und die köstlichsten Sachen essen.


Die chinesischen Fischernetze im Hafen von Kochi.


Am nächsten Tag besuchten wir das berühmte Kathakali. Ein wirklich absolut seltsames Tanztheater, mit einer überhöhten Mimik und Gestik. Die Geschichte wird pantomimisch dargestellt und begleitet von Trommelmusik. Alle Darsteller tragen unglaublich aufwändige Kostüme und müssen sich schon Stunden vor Auftritt schminken.


Die Farben basieren auf Mineralien und Kokosöl.


Dargestellt wird eine Geschichte aus der hinduistischen Mythologie, mit Dämonen und Göttern. Wir konnten sowohl dem Schminkprozess beiwohnen, als auch ein Kapitel einer traditionellen Aufführung ansehen. Normalerweise dauert eine solche mehrere Stunden, vom Abend bis ins Morgengrauen.

Für den nächsten Tag buchten wir uns eine Backwaters-Tour. Es ging schon sehr früh los und dauerte mehrer Stunden. Wir wurden mit einem kleinen Bus abgeholt und ein wenig ins Hinterland gefahren. Dort konnten wir dann in ein traditionelles, hölzernes Hausboot einsteigen. Die Gewässer sind nicht sonderlich tief, deshalb werden die Boote mit einem langen Bambusstock vom Boden aus abgestoßen. Die Natur ist wirklich wunderschön und das obwohl die Landschaft schon stark von der Kautschuk- und Kokosnussindustrie geprägt ist. Die Kanäle sind dicht bewachsen und sehr Tierreich. Wir konnten super viele Wasserschlangen beobachten. Im Laufe der Tour besuchten wir eine Kalkproduktion, konnten die Herstellung von Seilen aus Kokosfasern erlernen und unsere Sinne auf einer Gewürzplantage erproben. Es war ein ziemlich gelungener Tag.


Unsere Backwater-Tour.


Am Abend wollten wir in einem etwas entfernteren Restaurant essen gehen. Als wir mit unserem kleinen Roller unterwegs waren, fing es regelrecht an, aus allen Eimern zu schütten. Ich glaube, wir haben noch nie in unserem Leben, solch einen heftigen Regen erlebt. Innerhalb von wenigen Minuten, waren die Straßen komplett unter Wasser. Wir versuchten uns vor dem Regen zu retten, aber wir waren eigentlich schon nach zwei Sekunden klatschnass. Es regnete so stark, dass die Weiterfahrt einfach unmöglich war. Wir dachten ganz naiv, dass das Gewitter bestimmt schnell vorbei gehen wird. Pustekuchen. Wir saßen drei Stunden fest, es hörte einfach nicht auf und schüttete weiter. Wir waren hungrig, es war kalt und wir hatten die Schnauze voll. Die Smoothiebar, in der wir fest saßen, quälte uns mit Air-Condition und überteuerten Snacks. Da wir keine Hoffnung mehr hatten, dass es mal irgendwann wieder aufhört, stiegen wir einfach auf den Roller und nahmen den Heimweg in Angriff. Das war ein ziemliches Abenteuer. Der Regen prasselte so stark, schmerzte in den Augen und teilweise stand uns das Wasser bis zu den Knien. Und was passierte dann? Auf halber Strecke hörte es endlich auf zu regnen. Unglaublich…


Ein kleiner Ausflug zum Meer.


Eine Sache die wir in Indien noch machen wollten, war ein Bad im indischen Ozean. Deshalb packten wir uns am nächsten Tag auf den Roller und klapperten die Dörfer und Strände ab. Das Schönste daran war eigentlich die Fahrt selbst. Wir konnten etliche, ursprüngliche Fischerdörfer sehen. Das Bad im Meer war dann nur noch der Höhepunkt.


Entlang der Küste von Kerala findet man jede Menge untouristische Plätze.


An unserem letzten Tag wollten wir noch ein bisschen Shoppen gehen. Indien ist einfach zu günstig, um sich das entgehen zu lassen. Wir statteten unsere Smartphones mit neuen Panzergläsern aus, für einen unglaublich lächerlichen Preis, kauften uns eine neue SD-Karte und jede Menge Gewürze. Einkaufen in Indien ist ein Erlebnis. Man kann Stunden damit verbringen, zu handeln. In Indien gilt, lieber ein schlechtes Geschäft, als kein Geschäft. Ganze Straßenabschnitte sind nach Waren sortiert. In der einen Straße, gibt es hunderte Elektronikgeschäfte. In der nächsten Straße, hunderte Gewürzläden. Bei solch einer großen Konkurrenz, kann man sich die besten Preise aushandeln.

Kochi war definitiv unser Lieblingsort in Indien. Wir sind froh, dass wir dieses Land nochmal von einer anderen Seite erleben konnten, waren aber auch bereit für unseren nächsten Reiseabschnitt. So machten wir uns nach fünf Tagen auf den Weg nach Kuala Lumpur.

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