Indonesien – Bali – Unser „netter“ Empfang in Denpasar

Bei dem Wort „Bali“ fallen einem endlos lange Sandstrände, türkisblaues Meer, eine aufregende Kultur und die perfekten Wellen ein. Der Hype um die Insel ist nicht zu verleugnen, denn es handelt sich um eine der beliebtesten Urlaubsziele der letzten Jahre.

Angelockt durch die hochpreisenden Worte einiger Reiseblogs und dem Gedanken endlich wieder auf dem Surfbrett zu stehen, flogen wir von Medan nach Denpasar. Jedoch voller Skepsis. Denn wir sind eigentlich nicht für Massentourismus zu haben. Der Gedanke, dass man innerhalb weniger Stunden auf die nächste Insel flüchten kann, vereinfachte die Entscheidung.

Unser Start auf Bali, war kein Guter. Unser Gasthaus war gute 15 km vom Flughafen entfernt. Wir brauchten also definitiv ein Taxi. Für solche Dienste bevorzugen wir persönlich Uber oder das asiatische Pedant „Grab“. Wir hatten uns blöderweise vorher nicht darüber informiert, wie die Situation auf Bali ist. Noch im Terminal, wurden wir von dutzenden Taxifahrern angesprochen, die uns ihre völlig überteuerten Dienste aufs Auge drücken wollten. Wir versuchten jedoch einfach nur das Terminal zu verlassen, um uns einen guten Pick-Up Point für unser Grab zu suchen. Indien hatte uns abgehärtet und wir waren ziemlich erfolgreich darin, die Angebote abzuwehren. Wir hatten es jedoch hier mit der etwas härteren Variante von Bedrängung zu tun und die Herrschaften wurden mit jedem Schritt den wir tätigten aggressiver.

Als wir dachten, wir hätten die Männer nun endlich abgeschüttelt, ging es erst richtig los. Man braucht sein Handy nur zu berühren und plötzlich hat man eine Traube Menschen um sich herum stehen, die peinlichst genau beobachtet was man tut und einen in gebrochenem Englisch davon abhalten wollen Uber oder Grab zu nutzen. Wir kannten die Masche und waren dementsprechend unbeeindruckt.

5 Minuten später stand unser Wagen vor uns. Als wir versuchten einzusteigen, tauchten mehrere Menschen mit Spiegelreflexkameras auf und fingen an uns zu fotografieren. Aus dem Hintergrund hörte man aggressive Schreie, um uns herum Drohgebärden. Wir hatten gerade den Griff der Türe berührt, als der Fahrer alles verriegelte und mit einem Affenzahn davon schoss. Wir waren völlig perplex. Das hatten wir widerrum noch nie erlebt. Mit einem sehr unguten Gefühl im Magen, liefen wir vor den Männern weg. Der Fahrer schickte uns eine Nachricht, das im alles sehr Leid täte und wir uns in 500m Entfernung an der nächsten Straßenecke treffen sollten. Dort konnten wir dann auch endlich ins Auto einsteigen und bekamen eine Erklärung für sein Verhalten. Die balinesische Taximafia versucht den Markt zu kontrollieren. Dies geht soweit, dass regelmäßig Uber- oder Grabfahrer verprügelt werden. Die Fotos dienen der Denunzierung der Fahrer im Internet. Das geht nun wirklich zu weit.


Trotz des Regens waren wir mehr als froh unser eigenes Gefährt zu haben.


Uns ist völlig bewusst, dass solche Dienste wie Uber ein Problem für den lokalen Taximarkt darstellen und die Fahrer unter massiven Druck setzen. Wir sind eigentlich Menschen, die versuchen solche Dinge zu vermeiden und die lokale Wirtschaft unterstützen. Bei Taxifahrten bevorzugen wir jedoch definitiv Uber und Co. Dafür haben wir gute Gründe. Der beste Grund ist unsere eigene Sicherheit. Die Sicherheit nicht ausgeraubt zu werden, die Sicherheit nicht verarscht zu werden. Denn wir sind auf unserer Reise kaum einem Taxifahrer begegenet, der uns nicht übers Ohr hauen wollte. Wir sind wandelnde Geldbörsen für diese Menschen. Nicht selten verlangen sie den vier- oder fünfachen Preis. Taxameter nicht vorhanden, kaputt oder manipuliert. Manchmal nennen sie am Anfang einen vernünftigen Preis und verlangen dann am Ende doch aus stupiden Gründen viel mehr. Wenn du ablehnst, werden sie aggressiv, schreien dich an oder schlimmer. Sie bedrängen dich auf der Straße, nicht selten wirst du verfolgt. Manchmal erzählen sie dir, dass dein Hotel geschlossen sei und setzten dich einfach irgendwo anders ab, weil sie einen krummen Deal mit diesem Etablisment am laufen haben. Von den ganzen Horrorgeschichten a la Expressentführung, Gepäckraub etc. mal abgesehen, läuft in diesem Geschäftszweig einfach viel zu viel schief. Darauf haben wir einfach keine Lust. Mit Uber und Co., hatten wir noch nie Probleme.

Bali hebt das ganze jedoch nochmal auf ein komplett neues Level. Das wussten wir vorher nicht. Es gibt viele Berichte und Beschwerden über die balinesische Taximafia im Internet. Wir hatten am Anfang nie gedacht, dass dies solch üble Ausmaße nimmt. Da waren die Dinge, die wir bisher erlebt hatten wirklich harmlos. Es gibt viele Geschichten, die nicht so glimpflich ausgegangen sind wie unsere. Man liest von horrenden Preisen, willkürlichen Preiserhöhungen. Drohungen, Prügeleien, kaputten Autoscheiben. In jedem Ort hängen Schilder, die einem vorschreiben wollen, welches Taxiunternehmen man zu nutzen hat. Es handelt sich schlicht und ergreifend um organisierte Kriminalität. Das läuft schon seit mehreren Jahren so. Die Touristen sind genervt und haben Angst. Die Regierung tut nichts.

Mit unserem Grab-Fahrer fühlten wir uns sicher. Er war ein sehr freundlicher, junger Mann und fuhr uns auf dem schnellsten Wege zu unserem Gasthaus in Canggu. Dort war dann auch die erste negative Erfahrung schnell verflogen, denn unser Zimmer war echt toll, der Gastgeber war ein überfreundlicher Balinese und es gab einen wunderbaren Pool. Es konnte also nur besser werden.

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