Indonesien – Sumatra – Berastagi

Unser nächstes Ziel nach Sumatra sollte Bali sein. Deshalb basierte unsere Weiterreise auf der Verfügbarkeit eines vernünftigen Fluges von Medan nach Denpasar. Wir wollten weder Unsummen ausgeben, noch wollten wir mit einer dieser furchtbaren indonesischen Billigairlines fliegen. Diese machen sich nämlich nicht nur einen Namen durch regelmäßige Unpünktlichkeit, sondern vor allem durch fehlende Sicherheitsstandards und Unfälle. Das beste Angebot gab es ganz kurzfristig, schon in 5 Tagen sollte es weiter gehen. Deshalb konnten wir uns nur den kleinen „Loop“ für Sumatra vornehmen.

Unsere nächste Station hieß Berastagi. Indonesien ist nämlich für eine Sache weltbekannt. Vulkane. Berastagi ist die Heimat eines der aktivsten Vulkane Indonesiens, dem Mt. Sinabung. Sein kleiner Bruder, der Mt. Sibayak ist bekannt für seine fauchenden Solfataren und das wollten wir uns unbedingt ansehen. Wir sind ja bekanntlich große Fans von Vulkanen und Solfataren hatten wir bis jetzt noch nie gesehen.


Das Panorama vom Kraterrand des Mt. Sibayak.


Wir kamen gegen Abend mit unserem kleinen Van in Berastagi an. Die Fahrt war furchtbar. Wir hatten einige Stunden Verspätung, der Van war super ungemütlich, die Straßen waren eine Katastrophe und der Fahrer fuhr wie ein Verrückter. Wenn man auf Sumatra reisen möchte, muss man sich bei einer Sache im Klaren sein. Eine Infrastruktur wie auf Bali oder Java, wird man hier nicht finden. Die Straßen, wenn es denn überhaupt welche gibt, sind übersäht mit Löchern. Klimatisierte Reisebusse, gibt’s nicht. Kleine, klapprige Vans. Niemand spricht Englisch. Die Fahrer denken meist, sie seien auf einer Rennstrecke unterwegs und man hat öfter das Gefühl, dass man gleich sterben wird. Gurte zum Anschnallen, Fehlanzeige.


Der Hang ist vor nicht allzu langer Zeit abgerutscht.


Als wir dann mitten in Berastagi standen, realisierten wir, dass dies der wahrschienlich untouristischste Ort war, an dem wir seit langem waren. Wir hatten kein Hotel gebucht und besorgten uns deshalb erstmal eine Simkarte mit mobilem Netz. Als wir dann durch Booking scrollten, wurde uns schlagartig klar, hier gibt’s nicht viel. Letztendlich mussten wir dann ein Zimmer in einer Art „Luxushotel“ im Aufbau nehmen. Dadurch, dass der halbe Komplex eine Baustelle war, kostete das Zimmer auch nur 25 Euro. Trotzdem viel zu viel für unser Budget.

Das Bussystem in Berastagi besteht aus kleinen Minivans, die man einfach an der Straße herbeiwinkt. Grab bzw. Uber gibts nicht. Den richtigen Van zu finden, war eine interessante Erfahrung. Nach ungefähr 30 erfolglosen Minuten, hielt irgendwann ein Motorrad neben uns. Der Fahrer konnte Englisch, zeigte uns den richtigen Van und erklärte uns, wie wir an der richtigen Station aussteigen. Noch mal Glück gehabt, sonst wären wir nie angekommen.

Als wir dann vor den riesigen Toren des Hotels standen, fühlten wir uns fehl am Platze. Das war wirklich nicht unsere Kragenweite. Ein feines Luxushotel, wir mit unseren kaputten Klamotten und dreckigen Backpacks. Die größte Überraschung für uns war, dass der Besitzer deutsch sprach. Er hatte in Karlsruhe studiert. Und wir sprechen hier nicht von einem Expat. Sumatra ist also noch für einige Überraschungen offen. Unser Zimmer war ein absoluter Traum und in der Hotelküche wurde richtiges Brot gebacken.

Eine Sache die uns am nächsten Morgen auffiel, war die dicke Staubschicht, die das Hoteldach bedeckte. Mt. Sinabung spuckt regelmäßig Asche und manchmal eben auch Lava. Nach einem leckeren Frühstück mit gutem Brot, machten wir uns auf den Weg auf den Mt. Sibayak. Zunächst liefen wir über eine geteerte Straße. Wir hatten gelesen, dass wir uns darauf gefasst machen sollten, dass dort unglaublich viel Müll liegt. Kein Müll in Sicht. Stattdessen entdeckten wir in den Bäumen etwas unglaubliches. Ein schwarzer Gibbon. Ein super seltene Sichtung und leider zu schnell für die Kamera. Der Tag fing gut an. Auf dem Weg nach oben, wurden einige junge Indonesier auf uns aufmerksam, mit denen wir uns unterhielten und jede Menge Selfies mit uns machten. Im Großen und Ganzen war aber sehr wenig los. Die meiste Zeit waren wir alleine unterwegs, obwohl das Wetter einfach perfekt war.


Das Wetter war herrlich und schon der Weg nach oben bot tolle Panoramen.


Angekommen auf dem Vulkan, breitete sich eine unglaubliche Kulisse vor uns aus. Wunderschöne Natur, das laute Zischen der Solfataren und der intensive Schwefelgeruch sind die Mühe definitiv wert. Wir verbrachten einige Stunden oben, machten ein kleines Picknick mit Obst und Schokolade. Liefen auf dem Kraterrand umher und blickten in die endlosen Weiten der Natur.

Um den müden Beinen etwas Gutes zu tun, gibt es die perfekte Aktivität in Berastagi. Wenn man einen kleinen Umweg macht und nicht direkt zurück in die Innenstadt läuft, dann kann man wunderbare, aber sehr schwefelige, heiße Quellen besuchen. Wir liefen durch Gemüsefelder und an thermischen Kraftwerken vorbei, bis zu den wohltuenden kleinen Schwimmbecken. Es gibt dutzende Einheimische, die in ihren Gärten Becken mit Wasser verschiedenster Temperaturen errichtet haben. Man kann sich einfach einen Betreiber rauspicken und dann für Stunden im schwefeligen Wasser planschen. Aber nicht verbrennen.


Die Solfataren und wir.


Auf der Rückfahrt zu unserem Hotel, quetschten wir uns mit einer ganzen Horde Schulmädchen in einen der kleinen Vans. Das war eins unserer schönsten Erlebnisse auf Sumatra, da die Mädels uns über alles mögliche ausfragten. Sie steckten ihre Köpfe zusammen, vereinten all ihre Englischkenntnisse und löcherten uns regelrecht. Man könnte jetzt denken, dass dies eher eine triviale Konversation war. Aber absolut falsch. Es ging um kulturelle Unterschiede, Politik und Korruption. Die Frage, die uns in vielerlei Hinsicht zum nachdenken brachte: „Was kann Indonesien tun, um so zu werden wie Deutschland?“. Schwierig und wir beide diskutierten noch lange nachdem wir den Bus verlassen hatten weiter. Wir werden dieses Erlebnis auf jeden Fall niemals vergessen. Es ist schön, solche jungen, intelligenten Mädchen zu treffen, die sich absolut nicht davor scheuen, schwierige Fragen zu stellen und einen großen Wissensdurst zeigen. Wir haben die Konversation auf jeden Fall genossen und hoffen, dass die Mädels so weiter machen.


Der Krater von Mt. Sibayak.


Ein absolut perfekter Tag. Aber mehr hat das kleine Örtchen nicht zu bieten. Deshalb arrangierten wir uns für den nächsten Tag eine Fahrt in Richtung Lake Toba. Diesmal mit einem „shared Taxi“. Die Transportmöglichkeit für etwas besser gestellte Sumatrer. Das sollte eine absolut abenteuerliche Fahrt werden …


Perfekt nach einer langen Wanderung: eine Thermalquelle.


 

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