Indien – Amritsar

Die Stadt des berühmten goldenen Tempels der Sikh, war unsere nächste Anlaufstelle. Wir hatten eine ziemlich lange Busfahrt von Manali auf uns genommen und waren deshalb mehr als froh, als wir in unserem Hostel ankamen.

Wir hatten wahnsinnigen Hunger und stürzten uns direkt auf die erste Garküche vor unserem Hostel. Wir haben zwar absolut keine Ahnung was wir da gegessen haben, aber es war außerordentlich lecker.

Amritsar liegt in unmittelbarer Nähe zur pakistanischen Grenze. Wir entschieden uns spontan dafür, am Abend die obskure Grenzschließungszeremonie zu besuchen. Dafür wurden wir mit einigen anderen Gästen unseres Hostels in zwei Tuk Tuks gepackt. Wir machten noch einen kurzen Abstecher in den „Mata Lal Devi Temple“, vermutlich einen der bizarrsten Tempel Indiens. Im inneren findet man eine absolut kunterbunte Welt, mit hunderten Abbildern hinduistischer Götter. Es gibt eine Art Rundweg innerhalb des Tempels, man muss hier jedoch teilweise krabbeln, klettern und durch Wasser waten. Die Wände waren mit Mosaik bestückt und die Plastiken teilweise sehr bizarr. Deshalb erinnerte uns es doch mehr an eine Art Spiegelkabinett. Scheinbar ist dieser Tempel sehr wichtig für Frauen, die einen Kinderwunsch hegen. Es heißt, dass jede Frau, die in diesem Tempel betet, bald ein Kind erwarten wird.


Eine Plastik im Mata Lal Devi Tempel.


Nach einer halben Stunde setzten wir unseren Weg in Richtung Lahore fort. Kurz vor der Grenze zeigte sich schon ein sehr interessantes Bild, hunderte von Autos und Rikschas brachten wiederrum aberhunderte von Menschen zur Grenze. Es gab jede Menge Essens- und Souvenierstände. Die Leute trugen teilweise Kappen und T-Shirts mit der indischen Flagge oder hatten diese in ihr Gesicht gemalt. Es erinnerte mehr an einen Stadionbesuch.


Volksfeststimmung am Grenzübergang.


Als wir die Grenze dann endgültig erreichten, erstreckte sich auch tatsächlich eine Art Stadion mit dem Grenzübergang in der Mitte. Ein wenig perplex, suchten wir uns einen Platz und nach ein paar Minuten begann auch schon die Zeremonie. Es wurde furchtbar laute Musik gespielt, die Menschen schrien, klatschten, sangen und schwangen ihre Flaggen. Auf der pakistanischen Seite ergab sich ein etwas gediegener Anblick. Dort waren zwar auch einige Besucher, doch die feierten nicht so eine ausgelassene Party. Die Inder fingen an zu tanzen, indische Frauen kamen mit Flaggen ins „Stadion“ gelaufen. Die Genzschließung selbst war eine furchtbar, ausgedehntes Militärschauspiel mit geballten Fäusten, Lufttritten zur gegnerischen Seite und Rumgewirbel von Gewehren. Auf beiden Seiten spielte sich das gleiche Theater ab. Wirklich eine interessante Erfahrung mit etwas bitterem Beigeschmack. Vielleicht ein bisschen zu viel Nationalismus für uns.



Als wir wieder in Amritsar angekommen waren, besuchten wir den goldenen Tempel. Die Stimmung soll bei Nacht nämlich eine ganz besondere sein. Es war schrecklich viel los an diesem Tag. Vor und innerhalb des Tempels versammelten sich tausende von Sikh. Es war scheinbar der Geburtstag des Gurus. Trotzdem machten wir einen kleinen Abstecher ins Innere.


Der goldene Tempel bei Nacht.


Der Tempel erstrahlte in Gold und reflektierte sich im umgebenden Wasser. Ein wunderschöner Anblick. Die Sikh nahmen ihr heiliges Bad, zündeten Kerzen an und beteten. Ein tolles Schauspiel.


Sikh beim Gebet.


Am nächsten Tag besuchten wir den Tempel erneut, diesmal bei Tageslicht. Wir verbrachten einige Stunden im Inneren und beobachteten die Menschen. Leider war die Schlange zum Haupttempel in der Mitte des Komplexes so lang, dass wir vermutlich einige Stunden hätten anstehen müssen. Deshalb mussten wir es leider bei einem kleinen Rundgang belassen. Einen Besuch in der berühmten Küche (Langar), konnten wir uns jedoch nicht verkneifen. Hier werden täglich hunderte von Menschen für Lau verköstigt, egal welcher Religion, Kaste, Nationalität oder finanzieller Status. Dies soll ein Zeichen der Gleichheit aller Menschen sein. Das Essen war lecker. Das faszinierende war jedoch die präzise Arbeit hunderter Freiwilliger, vor allem beim Abwasch.


Die Anlage des Gurdwara bei Tag.


Der Besuch in Amritsar war sehr interessant. Auch aus dem Grunde, dass an diesen Tagen Sikh aus den verschiedenten Teilen des Landes anwesend waren und reges Interesse an uns zeigten. Wir wurden so viele Male gefragt, woher wir stammen und was wir in Indien tun, wie nie zuvor. Natürlich machten wir gefühlt tausend Selfies, aber die Menschen waren außerordentlich nett und manchmal so schüchtern, dass es schon wieder irgendwie ganz süß war.

Am Abend machten wir uns dann bereit für unsere erste indische Zugfahrt.

 

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