Indonesien – Gili Air

Die drei bekanntesten Gili Inseln im Nord-Westen von Lombok Gili Air, Gili Meno und Gili Trawangan sind schon seit zig Jahren eines der beliebtesten Ziele von Bali Reisenden. Von Lombok ist die Anreise noch einfacher, wenn man so wie wir, keine Lust mehr auf die große Insel hat, dann setzt man einfach mit dem Boot über. Die Fahrt dauert gerade mal wenige Minuten. Wir suchten nach einem kleinen ruhigen Paradies. Gili Trawangan soll das Partyparadies sein, nichts für uns. Gili Meno soll ganz mückenverseucht sein, nichts für uns. Wie wärs denn dann mit Gili Air?

Wir bekamen das ruhigste „Paradies“, was man sich nur vorstellen kann. Aber dies war wohl eher Mt. Agung zu Schulden. Jetzt rumorte der Vulkan schon seit Wochen vor sich hin. Der Flugraum war zwar zwischenzeitlich ohne Einschränkungen freigegeben, doch es kamen keine Touristen mehr nach. Es wurden einfach nur immer mehr und mehr rausgeflogen. Unser Abflugtermin nach Kambodscha rückte auch immer näher und wir waren guter Hoffnung, dass es auch ohne Probleme klappen würde. Aber erstmal hatten wir jetzt eine kleine Insel, fast für uns alleine. Das kann man jedoch auf zwei Arten betrachten…


Menschenleer und tadelos weiß.


Als wir am Morgen ankamen und zu unserem Gasthaus liefen, fiel uns direkt auf, dass ungefähr 80% der Restaurants verbarikadiert waren. Lohnt sich momentan einfach nicht. Am Strand sah es nicht ganz so schlimm aus. Dort bot sich eher ein anderes Bild. Die Restaurants waren zwar geöffnet, doch hatten vermutlich seit Tagen keinen einzigen Gast mehr gesehen. Die Kellner lungerten vor den Eingängen herum und versuchten verzweifelt jeden Menschen anzulocken, der noch übrig war. Wo scheinbar normalerweise reger Verkehr herscht, war nun Totenstimmung. Die paar Touristen, die es noch gab, gruppierten sich natürlich nur in den beliebtesten Restaurants und Cafes. Da blieb nichts mehr für die Anderen. Wir schauten uns mit einem besorgten Blick an. Das passiert, wenn man nichts außer den Tourismus hat. Besorgniseregend. Denn das mit dem Tourismus sieht schon seit einiger Zeit nicht mehr allzu rosig aus auf den Gilis. Denn es gibt viel Kritik. Manche sagen schon, dass Paradies sei nicht mehr zu retten…


Alles verwaist, ein sehr trauriger Anblick.


Für uns konnte es ja fast schöner nicht sein. Vermutlich einer der ruhigsten Orte, an denen wir bis jetzt waren. Keine Touristen und kein motorisierter Verkehr. Ruhiger kanns nicht werden. So konnten wir die Insel ganz genau unter die Lupe nehmen.

Im Grunde kann man nicht allzu viel machen hier. Entspannung ist angesagt. Man wird automatisch langsamer und gliedert sich ins Inselleben ein. Am Strand sitzen, Bier trinken und ein bisschen Schnorcheln gehen. Für Taucher gibt’s noch ein bisschen mehr zu tun. Aber das sind wir ja nicht.


Stand-Up-Paddling, ein sehr spaßiger Zeitvertreib.


Eigentlich klingt das entspannte Inselleben gar nicht so schlecht oder? Aber wir müssen leider sagen, dies ist einer der Orte, an die wir nie wieder zurückkehren werden. Wir sind auch zu Kritikern der Gilis geworden.

Die Sachen die einen zum Nachdenken anregen, fangen schon beim ersten betreten der Insel an. Es gibt keinen motorisierten Verkehr. Es gibt klapprige Pferdekutschen. Die Tiere sind in einem solch jämmerlichen Zustand, dass man es gar nicht glauben kann. Viele haben Schaum vor dem Mund. Sie stehen den ganzen Tag in der prallen Sonne mit dem Karren an den Rücken gespannt. Ein bisschen Recherche, gibt einem dann noch den Rest. Die Pferde bekommen verdünntes Meerwasser zum Trinken, leben im Durchschnitt nur wenige Jahre. Das ist Tierquälerei pur. Für alle Gili Besucher: Nehmt eure verdammten Beine in die Hand oder mietet euch ein Fahrrad, aber unterstützt nicht diesen Mist.


Die armen Tiere werden nicht nur mit Meerwasser gewaschen …


Dann dieser Müll. Wie soll auch eine solch kleine Insel mit den Müllbergen der Touristen umgehen? Wie? Es gibt kein Entsorgungssystem. Plastik wohin das Auge reicht…

Das Schlimmste für uns war jedoch die Unterwasserwelt. Einst ein Schnorchel- und Taucherparadies. Man kann aber schon am Strand erahnen, was sich unter Wasser abspielt.

Vom Sand ist sowieso nicht mehr viel übrig, er ist abgetragen. Um ins Meer zu kommen, muss man sich dann durch tausend, angespülte, abgestorbene Korrallen kämpfen. Es gibt zwar noch einige bunte Fische zu sehen, doch die Korallenwelt ist tot. Bleiche wo das Auge hinreicht. Das sind die Folgen von Klimaerwärmung, Dynamitfischen und dem exzessivem Tourismus. Dieser Teil des Paradieses ist wirklich nicht mehr zu retten…

Man könnte jetzt sagen, da habt ihr euch halt einfach die falsche Insel ausgesucht. Man besucht heute lieber die „Secret Gilis“. Es gibt nämlich noch mehr solcher Inseln rund um Lombok. Doch soll dieser Mist jetzt einfach so weiter gehen? Soll man einfach das Problem von Insel zu Insel tragen? Wir haben die ersten drei Inseln zerstört, jetzt sind sie nicht mehr schön, dann gehen wir halt einfach auf die Anderen? Das ist der Tourismus, den wir einfach nur so abgrundtief hassen. Ist ja nicht unser Problem, wir müssen ja nicht dort leben. Wir sind ja nur für ein paar Wochen im Jahr dort. Aus dem Auge aus dem Sinn.

Daran kann sich eigentlich direkt unser Fazit für die Region Bali, Lombok und drumherum anschließen. Wir sind froh, dass wir das alles mal gesehen haben. Doch wir werden bestimmt nie wieder kommen. Nusa Penida war ein Traum, keine Frage. Doch wie lange wird das noch so weiter gehen? Wir waren vorher noch nie in einer Region, die sich so sehr, für jeden Preis, an den Tourismus verkauft hat. Die Folgen sind eine rasante Zerstörung der Umwelt und auch der Kultur. Das wollen wir nicht unterstützen.

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